„Münster Fääri Leu“ 

 „Münster Fääri Leu“- Die Basler und ihr Rhein.

Pressetext

zur Werkgruppe „Münster Fääri Leu“- Die Basler und ihr Rhein.

Rheinfähre „Leu“ Anlagestelle Münster, Öl auf Leinwand, 80x80, Bernd Alder, April 2015 ©www.alderart.ch

Wie die Fähre durch den Strom des Rheins vom einen Ufer zum Anderen durchs Wasser getrieben wird, als würde hier die Zeit kurz stehen bleiben.

Schon seit langem bin ich fasziniert vom Wasser und die Wellen die es schlägt, wenn ein Schiff es durchbricht. Ich sehe zu wie die Sonnenstrahlen ihren bunten Farbentanz auf dem Wasser treiben - Es liegt etwas in der Luft, hier am Basler Rhein, eine Brise Fernweh.

Stolz ist der „Färimaa“ der Rheinfähre, hier auf einem internationalem Gewässer zu sein. Ihm sieht man es an, dass er viel draussen an der frischen Luft ist. Er erzählt mir, alle 30 Jahre würden die Fähren ersetzt werden. Er zeigt auf die Fähre „Vogel Gryff“ und sagt mit Wehmut in der Stimme; „Diese ist nun zwei Jahre alt, die Nächste werde ich wohl nicht mehr erleben“. Danach fasst er sich einige Minuten in Gedanken versunken an den grau-weissen Kurzbart.

Seine Holzfähre hat keinen Monitor, sie ist noch aus einer früheren Zeit und wird bloss verbunden mit einem Seil, das den Rhein in grosser Höhe überquert, durch die Kraft der Strömung vom einen zum anderen Ufer getragen.  So transportiert die Fähre täglich duzende Passagiere von Grossbasel nach Kleinbasel und wieder zurück. Bis 1879 waren die beiden Stadtteile nur durch die Mittlere Rheinbrücke miteinander verbunden, daher war die Rheinfähre nach ihrer Einführung ein beliebtes Transportmittel.

Auf der Fähre treffen die Fährmänner täglich auf unterschiedlichste Passagiere, und dabei erfahren sie einiges von deren Sorgen und Ansichten. Da ist sicher auch die eine oder andere Lügengeschichte dabei; deshalb sagt man in Basel oft, wenn man eine Geschichte nicht ganz glauben will: Verzell du daas em Fäärimaa!

Einer der sich auch des öfteren auf, aber vor allem neben den Rheinfähren aufhält ist Peter, mein Basler Gastgeber. Er bot mir ein Zimmer in seiner Wohnung am Rhein an, in welcher ich einige Tage residierte, um am Rheinufer Zeit zu haben die Staffelei aufzustellen und zu malen.

Peter und Ich sitzen zusammen am Frühstückstisch und blicken auf die „ Fääri Vogel Gryff“; „ Dafür braucht man doch keine Navigationsausbildung, das ist in einer halben Stunde gelernt, man muss nur den Bügel zum Start schwenken und heranfahrende Schiffe passieren lassen“ meint Peter in einem etwas spöttischen Tonfall. „Beinahe hätte mich ein „Fäärimaa“ zum kentern gebracht, als ich mit dem Kanu auf dem Rhein unterwegs war, aus Hektik hat er einfach den Bügel herumgerissen, dabei hätten wir einfach aneinander vorbeifahren können“.

Peter wird immer etwas emotional, wenn er über die Fähre spricht, denn manchmal passt er auch auf die Fähre auf, aber eben nur manchmal kann er das, da ihm der Job von einem Klavierstimmer vor der Nase weggeschnappt wurde, daran nagt er noch heute.

Er ist schon viel gereist und hat schon viel beobachtet. Beim Abwasch in der Küche schaut er manchmal auf die verlassene Fähre. Wenn tagsüber eine Veranstaltung darauf statt fand. Das kann von der Geburtstagsparty bis zur  Urnenbestattung sein, schlecht sich nach Betriebsschluss eine Ratte über den Steg, die Vorkosterin sozusagen, denn kurz darauf folgt ihr eine ganze Rattenbande aufs Schiff, um sich über die Reste des Festmahls zu machen. Auch beim Malen besuchte mich eines Morgens eine Ratte und beobachtete wie ich die Farben auf meine Farbpalette mische.  Hier am Rheinhafen wirkt das Leben noch so unverblümt, keiner stört sich ab dem Anderen, hier trifft der Punk auf den Banker, Jung auf Alt, die Sonnen- auf die Schattenseiten.

Während des Aufenthalts am Basler Rheinhafen entstand die Werkgruppe „Münster Fääri Leu“- Die Basler und ihr Rhein. Für diese Werkgruppe arbeitete ich als als Urban Sketcher, der direkt vor Ort malt. Dies braucht eine akribische Vorbereitung. Die Leinwände müssen im Vorhinein aufgezogen, grundiert und dann an den Malort transportiert werden. Für das Malen im urbanen Raum habe ich mir extra eine eigene Staffelei konstruiert, um nach dem Prinzip „Mise en Place" arbeiten zu können. Dies ist sehr entscheidend, da ich beim Urban Sketching mit der Staffelei immer wieder den Platz wechsle, um ein neues Motiv festzuhalten, oder dem Wind und Regen zu entfliehen. Die Bilder zeigen das bunte Treiben am Rheinufer und lassen uns einen Moment verweilen in einer Zeit in der alles fliesst und nichts bleibt.

Die Werkgruppe „Münster Fäari Leu“ ist ein Ausblick auf die kommende Ausstellung in der Galerie Beyeler zum Thema Rheinhafen, in welcher  eine Sammlung

von 25 -30 grossformatige Bilder des Künstlers Bernd Alder gezeigt werden.

Text und Bildmaterial zum Download auf www.alderart.ch.

Textverantwortliche: Noemi Hermann

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